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propeller z, Einbau
basis wien (Wien 7./A, 1998)

 
       
   
 
Die basisinstallation der Gruppe  propeller z formuliert als Raumgestaltung im Wiener Museumsquartier ein zeitgenössisches Statement zu Formen und Funktionen eines Raumes für »Kunst, Information und Archiv«. Damit werden Modi gegenwärtigen Gestaltens auf einem Areal erprobt, das sich seit längerem museal definiert und Veränderungen höchstens im Maßstab von Dezennien erträgt. Auf die Beharrlichkeit der Verhältnisse reagieren propeller z mit jener Schnelligkeit und Beweglichkeit, die schon der Name der Gruppe andeutet. Diese Parameter bestimmen auch die Struktur der basisinstallation- von der Kürze der Planungszeit über die Geschwindigkeit der Realisation bis zu ihrer temporären, flexiblen Nutzung innerhalb der nächsten Jahre.
»Kunst, Information und Archiv« sind die Leitmotive der basis wien und diesen Arbeitsfeldern dient die Installation als multifunktionale Basis. Die Organisation dieser Funktionen übernehmen starke architektonische Elemente, die in den bestehenden Raum eingefügt werden. Sie fungieren als Generatoren, die die existierenden Raumwirkungen sondieren, potentieren und umpolen, ohne dabei die Substanz anzugreifen.

Zunächst erfolgte die Klärung der Situation: erst nach Demontage der von den vorherigen Benützern eingefügten weißen Wandverschalungen, wurde die ursprüngliche, unverstellte Form und spezifische Atmosphäre der ehemaligen Sattel- und Peitschenkammer der k.u k. Hofstallungen wieder sichtbar und zum Ausgangspunkt für neue Maßnahmen.

Das dominate Element der basisinstallation bildet eine flache Konstruktion aus Aluminium, die entlang der Seitenwand den ganzen Raum als lange Gerade flankiert und sich durch den Eingangsbereich in den Außenraum zeichenhaft fortsetzt. Dank eines raffinierten Layouts stellt dieser langgestreckte Metallkörper hinter seiner blanken Oberfläche alle Funktionen des umfangreichen Archivs und seiner Benützung bereit. Dieser komplexe Speicher übernimmt auch Leitungsaufgaben. Er vermittelt auf kühne Weise zwischen den archivierten Materialien, die sich in der Enge und Tiefe der Ordner und Hängeregister in seinem Inneren befinden und der (Halb)Öffentlichkeit des Platzes, an dessen bis dato unscheinbarer Ecke der Eingang zur basis wien jetzt durch seinen freistehenden Endteil deutlich markiert wird. Entlang dieser neuen Achse sollen sich zwischen Kunst und Öffentlichkeit, Produzenten und Rezipienten und anderen unterschiedlichen Spären vielfältige Transferleistungen entwickeln, deren Vermittlung und Verstärkung die basis wien intendiert.

Der Eingangsbereich wurde auch in diesem Sinne akzentuiert: Statt der abweisenden Holztüren, die von Besuchern gegen die Gehbewegung geöffnet werden mußten, führen propeller z eine Glaskiste als transparente Schleuse ein, die Besucher nach innen leitet und den Raum auch außerhalb der Öffnungszeiten sichtbar und einsehbar macht. Zusätzlich erhält die basis wien zwei mobile Bild- und Buchbehälter, die in ihrem Grundriß und Material an Boomerangs erinnern und das statische, strenge Metallimplantat kontrastieren. Ihre Innenseiten nehmen die Bücher und Kataloge des Archivs auf, während die textilen Außenflächen vielfältig bespielt werden können, beispielsweise durch Lichtbilder. Einzeln oder in Kombination funktionieren sie auch als Raumteiler für Benützer, die vom übrigen Geschehen etwas getrennt arbeiten, lesen oder diskutieren wollen.

propeller z verschärfen durch Materialwahl und Formgebung die Konstellation von alter Bausubstanz und neuer Gestaltung zu einem Raumklima aus starken Kontrasten, orientieren sich aber immer an den geforderten Funktionen: nachdem der Innenraum zum Außenraum hin geöffnet und dadurch erweitert wurde, kann er für bestimmte Zwecke zoniert und parzelliert werden um neben Öffentlichkeit auch fallweise Intimität zu ermöglichen. Diesem  grundlegenden Gestaltungprinzip der Veränderbarkeit je nach Erfordernis tragen auch noch andere Details der basisinstallation Rechnung, wie beispielsweise eine Art Lift mit dem sich die Arbeitstische in einer Raumnische wie in einer mechanischen Hochgarage stapeln lassen.

Zu der Fülle der Funktionen, die die basisinstallation erlaubt, gehört auch die Möglichkeit, genau diese Funktionen temporär zu suspendieren. Auch das graphische Erscheinungsbild und das Farbkonzept der basis wien von stammen von propeller z,  wodurch die Inhalte und Ideen der basis wien im subtilen Dialog zwischen architektonischen und graphischen Codes lesbar werden.

propeller z entwickeln ihre konzeptuelle Architektur in produktiver Auseinandersetzung mit Sachzwängen (wie dem Gebot der äussersten Sparsamkeit und rigiden Auflagen des Denkmalschutzes im Fall der basis wien) und Funktionserfordernissen. Konzeptuell meint daher ihren Umgang mit Prozessen, die einerseits der Gestaltung voran gehen und andererseits  aus der Gestaltung resultieren sollen; sie betreffen sowohl ihre Arbeitsweise als Team mit wechselnden Konstellationen als auch die gestalterischen Entscheidungen im Feld unterschiedlicher formaler Möglichkeiten. Die Gruppe agiert dabei gelassen interdisziplinär und unaufgeregt international. Die einzelnen Mitglieder sind geübt in Balanceakten zwischen Spezialistentum und Generalismus, Individualismus und ihrer Identität als Gruppe. Die basisinstallation ist das avancierte Ergebnis eines handlings das mit „skeptischer coolness“ charakterisiert werden kann. Entsprechend fallen die Vorschläge für Betrieb und Benützung der basis wien aus.
(Text: Christian Muhr)