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propeller z, Einbau
Gorufu Renshujo (Wien/MAK/A, 2001)

 
       
   
 
gorufu renshujo ist die japanische Bezeichnung für den englischen Golf-Fachausdruck “Driving Range“.
Das Fehlen eines deutschen Äquivalents mag als Indiz dafür gelten, dass ausserhalb der dicht-besiedelten japanischen und amerikanischen Ballungs-zentren "Natur" noch in solchem Ausmass zur Verfügung steht, dass auf die Einrichtung von artifiziellen Golfparcours weitgehend verzichtet werden kann.
Für die MAK NITE implantieren propeller z mit “gorufu renshujo“ ein solches künstliches, räumlich stark komprimiertes Spielfeld in die Säulenhalle des Museums für angewandte Kunst. Diese Driving Range besteht aus einem transparenten Netz, das als Quader im Format von 9x9x3 Meter leicht schräg in den aulaartigen Raum gespannt wird. Eine standardmässige Abschussrampe mit künstlichem Rasen sowie ein staatlich geprüfter Golflehrer stehen ebenfalls zur Verfügung und erlauben einen Abend lang normalen Spielbetrieb für Anfänger und Fortgeschritte zum vergleichsweise günstigen Preis einer Eintrittskarte ins Museum.

Mit gorufu renshujo erproben propeller z ein weiteres Mal die Kraft des Implantats und die Souveränität von Architektur. Ähnlich wie bei anderen temporären Eingriffen in historische Bausubstanzen wie jener des Jugendstil (Haus H. 1995) des Barock (Museumsquartier “basis wien“ 1997, “projektor“ 2000) oder des Historismus (Künstlerhaus Wien - Ausstellungsarchitekturen für “fast forward“ 1999, “stealing eyeballs“ 2001, Semperdepot Wien- Bühnenarchitektur für “signs of trouble“ 1998) wahren propeller z dabei deziditiert Distanz zur bestehenden, nicht selten auch belasteten Architektur um sie durch genau gesetzte Gestaltungselemente und speziell entwickelte Funktionsträger neu zu codieren. In dieser Hinsicht können propeller z als Dialektiker bezeichnet werden, die gestalterische Kontraste, räumliche Spannungen und inhaltliche Oppositionen nicht nur aufspüren sondern ausdrücklich suchen, um aus diesen gefunden und oftmals verstärkten Polaritäten jene Spannung zu generieren, die ihre vielseitigen Arbeiten auszeichen.

Am Abend des 18. September 2001 passiert genau das, was die Institution Museum und besonders das MAK, wenn man dem plakativ-polemischen Manifest “Museen ohne Zukunft“ von Peter Noever glauben darf, aktuell am meisten zu fürchten scheint, nämlich die parasitäre Nutzung durch konkurrierende, kunstferne Praktiken. Als bisheriger Schauplatz von so unterschiedlichen Ereignissen wie Geburtstagsfeiern für heimische Wochenmagazine und Politiker, Unterwäschemodenschauen und Vorstellungen neuer Automobilmodelle, Messen und Tanzveranstaltungen mutiert die Säulenhalle mit gorufu renshujo und minimalen konstruktiven Aufwand nun zur Sporthalle. Dabei wurde mit Golf eine Sportart mit hohem gesellschaftlichen Prestige gewählt, die am ehesten der hochkulturellen Sphäre des Museums zu entsprechen vermag. Das im Zentrum der Halle schwebende, orthogonale Volumen nutzt den Luftraum innerhalb des Ferstl Baus einige Stunden lang als Spielraum für mehr oder weniger gezielte und befreiende Schläge in Richtung der Repräsentationsarchitektur der Wiener Ringstrasse. Die Reissfestigkeit des Materials sowie die Engmaschigkeit des Netzes werden etwaige Schäden für Mensch und Museum jedoch garantiert verhindern. Sogar mehr als das: das Museum wird aus dieser spielerischen Konfrontation mit dem “Feind“ nicht nur als Sieger, sondern auch gestärkt hervorgehen denn nach ein paar Handgriffen und dem Lockern von ein paar Knoten wird das Museum wieder ein solides Museum sein.
Text: Christian Muhr