Aktuell, Neubau, Umbau, Einbau
Alle Projekte
Profil, Referenzen, Vorträge, Ausstellungen, in der Presse, Preise, Lehre, Downloads, Kontakt


AK Dazzle-Park, Almdudler (geladener Wettbewerb) , Bertelsmann Pavillion EXPO 2000 , Blaha Kompetenzzentrum (geladener Wettbewerb) , BOG, DBL, EZE - eine Eisenwolke, FLAG, G-LAB, Garant, Kindergarten Kramsach, Knight Rider, Marrak, Marz, Meteorit, MQW Leitsystem (gel. Wettbewerb), PLAK, Seifenfabrik, SGL, SWA Turm, Vier, Wallpaper* case study, Weil, Weingut Claus Preisinger, Weingut Ernst, Weingut Gernot und Heike Heinrich, Weingut Weninger Balf, Wettbewerb Theater im Palais




propeller z, Neubau
SGL (Wien 13./A, 2000-2002)

 
       
       
 
Wie sieht das Haus der modernen, oft als „patchwork“ beschriebenen Familie aus? Die Antwort könnte lauten: es sind zwei Häuser auf einem Grundstück verbunden über ein feines Geflecht nicht nur baulicher Beziehungen.In einer der klassischen Wiener Villenlagen errichten propeller z ein „Haus für Zwei“ (erwachsene Schwestern) und ein „Haus für Einen“ (das Refugium des Vaters) als Balanceakt zwischen Individualismus und Zusammengehörigkeit sowohl in Hinblick auf den familiären, architektonischen aber auch topographischen Kontext.Dabei fungiert Architektur auch als angewandte Familienplanung, denn am Anfang war nur ein „Haus für Zwei“ geplant und als dieses Gestalt annahm, wollte der Eine auch eines.

Das Haus der Schwestern besteht aus einem straßenseitig schmalen, in die Tiefe des Areals gestreckten und dadurch optimal nach Westen orientierten Volumen, in das die beiden Wohnungen über zwei Etagen gestapelt sind.Seine sehr kompakte äußere Form wurde entwickelt um trotz der restriktiven Baubestimmungen eine möglichst hohe Nutzungsdichte zu erreichen und gleichzeitig weder das kleine Grundstück selbst noch seine Umgebung baulich unnötig zu belasten.

Den Grundsätzen äußester Komprimierung und intelligenter Korrespondenz folgt auch die Organisation im Inneren: Jede Wohneinheit verfügt jeweils über eine gesamte Ebene- nämlich das Erdgeschoss beziehungsweise den Dachbereich mit seiner eingehängten Schlafkoje- und beide teilen sich die mittlere Etage schwesterlich. Im Schnitt erschließt sich das Haus als eine höchst präzise Verschachtelung von positiven und negativen, offenen und geschlossenen Raumformen, die keine Reserven ungenutzt lässt. Nach außen wird die innere Struktur über den Materialwechsel von Holztafeln zu Eternitfeldern und dem Verlauf der schmalen Fensterbänder deutlich, die wie gläserne Sockelzonen die unterschiedlichen Ebenen markieren und überall gleichmäßig günstige Lichtverhältnisse erzeugen.

Das Ergebnis sind zwei fast gleich große Units, deren identisches Raumprogramm bestehend aus Wohn/Arbeitzimmer, eigenem Schlafbereich sowie getrennten Nassräumen so konfiguriert ist, dass sie völlig unabhängig voneinander funktionieren. Ihr jeweils sehr unterschiedlicher Charakter entspricht dem ihrer Bewohnerinnen: die Erdgeschosswohnung mit ihrer langen, nur durch einen Stahlträger abgestützten Glasfront in Richtung Garten repräsentiert das offene Volumen im Gegensatz zur darüberliegenden Wohnung, die eher wie ein geschlossener Kokon formuliert ist.

Von der gemeinsamen Eingangszone aus trennen sich die Wege in die linke, ebenerdige Hälfte, an die zusätzlich eine weitere, kleine Box angedockt wurde, die als Gästezimmer genutzt werden kann und das Haus zusammen mit dem kleinen Carport straßenseitig abschließt, während eine schmale, an der rechten Seite geführte Treppe in den oberen Bereich leitet.Die Räume selbst sind geprägt von der sanften Fliessbewegung zwischen den Ebenen und ihren jeweiligen Nutzungen und entspricht damit den zeitgenössischen Unschärferelationen zwischen Wohnen, Arbeiten, Relaxen, wobei über die Raumfolgen Dank eindeutiger Blickachsen immer völlige Klarheit herrscht.

Dieselben inneren Werte weist auch das „Haus für Einen“ auf, sogar noch in gesteigertem Masse, da hier ein ähnliches Raumprogramm über eine einzige, lang gestreckte Schachtel abgewickelt werden konnte, die sich in ihrem Verlauf an der Stirnseite des Grundstücks genau dem Gelände anpasst.

Die Grundfigur einer langen Gerade zieht sich über die eigene Zufahrt von der zweiten, an das Grundstück grenzenden Strasse bis zur Eingangszone des Single-Hauses und setzt sich als zentrale Erschließungsachse des Hauses fort. Dem Haus an der schmalen Eingangsseite vorgelagert sind ein kleiner geschlossener Parkplatz und der daneben in der Erde versenkte Swimmingpool. In seiner zum Haus orientierten Beckenwand befindet sich ein großes Bullauge um Licht in den kleinen Hof zu lenken, der zwischen dem Bassin und dem Fitnessraum im Keller entsteht.Unmittelbar von dieser begehbaren Frei- und Ruhezone aus kann der Pool über eine Leiter leicht erreicht werden.

Die Wegeführung in Inneren der Villa ist so elegant wie eindeutig: von der Eingangszone führt eine Treppe sanft dem Gelände folgend hinab in den großen, ebenfalls nur durch einen filigranen Stahlbügel abgestützten zentralen Wohn-Arbeitsbereich, der in seiner gesamten Länge gartenseitig von einer durchgehenden Glasfassade flankiert wird.
Vom selben Verkehrsknotenpunkt aus leitet eine zweite, freischwingende Treppe vorbei an dem podestartigen Zwischengeschoss mit offener Küche in das Obergeschoss, wo sich der „master bedroom“ sowie ein Gästezimmer befinden.

Wiederum sorgen schmale Fensterbänder in den Fugen der beiden Schachteln, sowie die große Glasfronten an ihren offenen Seiten nicht nur für Durchblicke und Helligkeit in allen Räumen sondern halten auch den Garten und die umgebende Natur ständig präsent.Auch das für Haus für Einen wurde präzise nach den Bedürfnissen seines Bewohners konzipiert und integriert daher auch klassische Elemente (groß)bürgerlichen Wohnens wie eine große Bibliothek, einen Weinkeller sowie den Fitnessraum mit Sauna und Schwimmbad in seine stringente und dadurch völlig selbstverständlich wirkende Gestalt.

Beide Häuser sind souveräne, absolut zeitgenössische Bauten, die sich gleichzeitig als äußerst dialogfähig erweisen, sowohl was ihre private Konstellation als auch ihre stadträumliche Umgebung betrifft. (Text: Christian Muhr)