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Nachbarin (Wien 6./A, 2006)

 
       
   
 
Hinter einem traditionellen Wiener Geschäftsportal an der Gumpendorfer-strasse versteckt sich seit März 2006 ein kleines Juwel aus den Händen des fünfköpfigen Architekten- Ausstellungsgestalter-, Graphic-, Produkt-,
Set- und Interior-Designer-Teames propeller z.

An der Fassade des Ladens wurde nichts verändert. Das kleine Portal verfügte bereits über einen Miniversion der Loos´schen Meisterschaft: Eine architek-
tonische Hilfestellung, um den „seelischen Apparat“ zu überlisten, und dann erleichtert mit dem »Trick der kleinen Schwelle« in das Innere vorzudringen, wie dies Otto Kapfinger anhand des Knize-Portals einmal trefflich ausführte. Diese Qualität der Verführung im Außenbereich spiegelt sich im Inneren wieder. Der Eingriff, den propeller z vornahm, resultierte aus der Notwendigkeit, den nur knapp 42m² großen Raum zu erweitern, zu strukturieren und zu konzentrieren.

Ein 3,12 Meter hoher, skulpturaler Raumkörper aus stark gezeichnetem Kiefer-
sperrholz erfüllt dies und eine Vielzahl an Funktionen charaktervoll. Als ver-
schleifendes und verwebendes Element bildet er als Solitär unter der 4,60 Meter hohen Raumdecke einzelne Bereiche aus, dessen leicht auskragende, im Wandvorsprung verzahnte Galerie das Büro als Aussichtsplattform der Betrei-
berin, sowie uneinsehbare Lagerfläche aufnimmt. Im darunter liegenden Bereich befinden sich die Umkleidekabinen, Displayflächen und hinter dem Verspiegelten Schiebewänden eine kleine Caféküche. Die materialminimierten Schwarzstahltritte der vertikalen Erschließung bewaren den Raumfluss. Die prägnante, durchlässige Gebrauchsplastik knickt als Lagentisch in die Raum-
mitte. Ein sonniger Fels in der Brandung einer Branche, die dem Kommen und Gehen all ihre Aufmerksamkeit schenkt, eingefasst von schwarzen, sich elegant beidseitig an den Seitenwänden am Sehhorizont schlängelnden Stahlrohren, die die Exponate – europäischer Modedesigner – durch den Raum navigieren. Das Beleuchtungskonzept für das Geschäftslokal ist puristisch einfach. Eine Öff-
nung im Spiegel, der den schmalen Wandstreifen zwischen den straßenseitigen Vitrinen in voller Höhe erweitert, gibt Stahlseile und Stromkabel frei, die ge-
spiegelt wie Spinnenbeinen in den Raum greifen. Aus in der Decke verschrau-
bten einfachen Ösen baumeln die effizient eingesetzten Spots herab.

propeller z haben mit der »Nachbarin« einmal mehr eine geglückte architektonische Maßschneiderei im durchaus Loos´schen Sinne vorgeführt.
(aus: Architektur Aktuell 7-8.2006 Text: Ursula Graf)