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Lebt und Arbeitet in Wien II (Wien 6./A, 2005)

 
       
 
 
Gebrauchsskulptur und Trägerstruktur; Reiz und Risiko von Ausstellungsarchitekturen bestehen in ihrem hohen Grad an Referenzialität. Ausstellungsgestaltungen agieren innerhalb besonders dichter Bedingungen, wie sie durch den gegebenen Raum, die bestehende Architektur, die Pluralität der künstlerischen Medien und Intentionen sowie die Heterogenität des Publikums gestellt werden. Architekturen für Ausstellungen sind gleichermaßen temporäre Additionen zur Substanz des Schauraums wie zum Inhalt der Ausstellung und verbinden beide Sphären über doppelte Lesbarkeit: Architektur als Semantik und Semantik als Architektur.

Gerade das typische Spannungsverhältnis zwischen der Distinktheit einer architektonischen Figur und der Offenheit von Interpretation und Rezeption, die sie ermöglichen soll, zwischen Kunst- und Raumwahrnehmung, Inhalt und Kontext, den Ordnungsfunktionen eines durchgängigen Gestaltungskonzeptes und der Autonomie des individuellen Kunstwerks bietet beiden Disziplinen Kunst und Architektur ausreichend Konfliktstoff, aber auch Spielraum für kongeniale Entsprechungen.

Für die Gestaltung der Ausstellung Lebt und arbeitet in Wien II  hat die in Wien lebende und arbeitende ArchitektInnengruppe propeller z eine überraschend einfache architektonische Antwort auf die Herausforderungen des Raumes und die Präsentationsanforderungen zeitgenössischer Kunst gefunden, die trotz ihrer Eindeutigkeit nicht simplifiziert, sondern im Gegenteil gerade durch ihren Referenzreichtum verblüfft:
Träger der Ausstellung im Wortsinn bildet ein gängiges Gerüst, wie es auf unzähligen Baustellen täglich zum Einsatz kommt. Für die Dauer der Schau wird aus den modularen Bestandteilen und standardisierten Grundelementen eines handelsüblichen Bausystems eine langgestreckte mehrstöckige Konstruktion aus Stahlstangen und Bodenplatten errichtet, welche die Ausstellungshalle diagonal und tangential quert. Die dabei beschriebene Bewegung gleicht dem Verlauf eines gezackten Vektors entlang der Raumachse, der unmittelbar im Eingangsbereich der Halle beginnt und sich bis zur gegenüberliegenden rechten Empore fortsetzt.

Diese Matrix aus vertikalen Trägern und horizontalen Verbindungen wird intern so konfiguriert, dass ein mehrspuriger Parcours aus Wegen, Rampen und Plattformen über drei Etagen entsteht, der nicht nur die 23 in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Positionen, sondern auch die beiden Emporen an den Stirnseiten der Halle mit der Ausstellungsebene fußläufig und in beide Richtungen verbindet. Das Ergebnis ergibt ein gleichmäßig gerastertes Gehäuse aus gestapelten Gängen, das als Trägerstruktur sämtliche architektonischen Aufgaben für diese Ausstellung übernimmt und als Gebrauchsskulptur innerhalb der Halle beachtliche räumliche Präsenz entwickelt. Die umgebende Raumhülle bleibt von diesem maximal invasiven Manöver völlig unberührt mit Ausnahme jener beiden Brücken, über die das Gestell an die Emporen andockt und sie auf ungewohnte Weise begehbar macht.

Durch die Implantation multiplizieren sich die für Projektionen und Tafelbilder besonders begehrten Wandflächen. Das Ebenensystem verläuft über Höhen zwischen 1,7 und 4,7 Metern und erlaubt bequeme Betrachtung auf gleicher Augenhöhe auch jener Werke, die auf exponierter Höhe angebracht sind. Gleichzeitig nobilitiert der Blick aus den Geschoßen des Gehäuses den darunter liegenden Bodenbereich als vollwertige Ausstellungsfläche. Die Sehstationen für alle ausgestellten Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Video und Skulptur wurden je nach medienspezifischen Erfordernissen und nach Rücksprache mit Kurator und KünstlerInnen beispielsweise mit Sitzgelegenheiten und Lautsprechern ausgestattet. Dabei galt das Prinzip absoluter Gleichbehandlung der vertretenen Einzelpositionen und künstlerischen Disziplinen. Spätestens diese Ambition signalisiert, dass das Geh-Gehäuse eigentlich als einfacher optischer Apparat funktioniert, der über seine Architektur die Wahrnehmung von Bildern in unterschiedlichen Distanzen und Ausschnitten reguliert, die außerhalb von ihm liegen. Sein instrumenteller Charakter zeigt sich auch darin, dass neben der apparativen Infrastruktur auch sämtliche Informationen zu den Arbeiten von diesem Wahrnehmungs-Vehikel getragen werden.

Der hohe Anteil an Projektionen macht es nötig, den gesamtem Ausstellungsraum in kinoartiges Halbdunkel zu tauchen. Dadurch mutiert auch die Lichtführung innerhalb des Gestängegeländes zu einem wesentlichen Gestaltungfaktor: die sparsame Notlichtbeleuchtung orientiert BesucherInnen ausreichend, ohne den weiteren Verlauf des Weges allzu vorhersehbar zu machen.
Zur Multifunktionalität der Ausstellungsmaschine von propeller z gehört auch ihre Eignung als Metapher, indem sie das Terrain der Gegenwartskunst als permanente Baustelle beschreibt. Nicht nur in Wien lebende und arbeitende KünstlerInnen und BetrachterInnen werden diesen Befund wahrscheinlich bestätigen – nicht zuletzt nach dem Besuch der Wiener Ausstellung. (Text: Christian Muhr)