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Meteorit (Essen/D, 1996-1998)

 
       
       
       
   
 
Die Rohstoffe der spätindustriellen Kultur haben vor allem affektive Qualitäten und können deshalb auch dort abgebaut werden, wo die Förderungvon traditionellen Materialien nicht mehr lohnt.
Das deutsche Ruhrgebiet ist ein gigantischer Friedhof des primären Sektorsund zugleich Musterbeispiel dafür, wie die "Erlebnisgesellschaft" auf den Ruinen der Industriegesellschaft fündig werden kann.
Im Zuge des "Struktur-Wandels" wurden einige der stillgelegten Anlagen, diezu den besten Beispielen moderner Industrie-Architektur gehören, wieder inBetrieb genommen. Sie erzeugen heute das Allgemeingut Kultur in seinerraffiniertesten Form : Erlebnis und Atmosphäre sind ihr neuester Output.

Aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens ließ der deutsche Energieversorger RWE ein Ausstellungsareal realisieren, in dem der Hauptgeschäftsbereich des Konzerns zum Thema für eine künstliche Erlebnis-Welt gemacht wird.
Im Norden der Stadt Essen entstand auf einem Gelände, das schon Standort des ersten Kraftwerks der Firma war, ein Kraftwerk neuen Typus, das Energieverbraucht, um Energie-Erlebnisse zu generieren und an ein breites Publikum abzugeben.
Die Architektur für diesen kultur-industriellen Komplex mit dem Namen Meteorit wurde von der Wiener Architekturformation propeller z entwickelt, während der österreichische Künstler André Heller die Auswahl der Kunst- und Medieninstallationen besorgte.
Die zentrale Kategorie der architektonischen Konzeption heißt Differenz: Von der Gesamtkomposition bis in die Details setzt die Architektur von propeller z dezidiert Differenzen wobei Dichotomien wie Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit, Fülle/Leere, Deutbarkeit/Undeutbarkeit, Introvertiertheit/Extravertiertheit über opponierende Morphologien und Materialien zur scharfen und zugleich eleganten Grammatik des Meteoritformiert werden.
Die erste Differenz betrifft den Neologismus "theme-park" als gestalterische Trennung in einen Park, der den Meteorit umgibt, und die Stationierung des "Themas" in einem unterirdischen Teil der Anlage, die insgesamt aus drei getrennten Baukörpern besteht.

Ihre beiden deutlich sichtbaren Elemente sind eine langgestreckte leicht bauchige Form aus Aluminium, die auf einer Geländekuppe zu schweben scheint und ein rückwärts dagegen gelehnter Glaskörper, der mit seiner schrägen Dachfläche und transparenten Fassade die Eingangshalle des Meteorit aufspannt.
Das vom Volumen her größte und inhaltlich zentrale Element, der Ausstellungsraum, ist von außen fast unsichtbar. Nur an der Vorderfront des Aluminium-Objektes schiebt sich ein Teil seiner Außenhaut mit dunkelblau schimmernden Metallschuppen wie ein flachgefalteter Splitter an die Oberfläche des Parks. Die silber-leuchtende Alu-Röhre ist das exponierteste Element der Anlageund wirkt aus der Distanz wie ihr abstraktes Logo. Ihre Signalfunktion wird durch schräggestellte Stahl-Träger unterstützt, die den aerodynamischen Rumpf ein wenig vom Erdboden abheben und  Assoziationen an eine Raumstation oder einen Tragflügel verstärken.
Tatsächlich fungiert der filigrane Zeiger als Behälter für das Café sowie die Nebenräume des Meteorit und als Schleuse zwischen Gebäude und  Garten.

Im Verlauf der Längsachse senkt sich dieser Raumkörper ganz leicht und folgt damit der Geländefalte, um an der niedrigsten Stelle beinahe an der Erde anzudocken und durch eine Schiebetür aus Glas über einen Steg den Ausgang zum Park zu bieten.
Das asymmetrische Profil der Raumhülle und die kontinuierliche Neigungerzeugen im komfortablen Inneren ein ungewöhnliches, dynamisches Raumgefühl etwa wie in einem Flugzeug, das gerade landet oder abhebt. Die Lichtführung durch die eingeschnittene Glassfassade steigert noch diesen Eindruck, indem sie den Blick durch die Alu-Lamellen beim Gang durch das Café entweder mehr auf den Himmel oder auf die Gartenfläche lenkt. Aeronautische Anspielungen werden auch an einer anderen Stelle deutlich, nämlich dort, wo an an der Rückseite der silbernen Service- Station die Verbindung zur unter ihr gelegenen Eingangshalle durch eine schmale, gangway-artige Treppe erfolgt.Die Passage der Treppe bietet eine gewisse Dramatik: von hier aus wirdzugleich die Außenseite des Ausstellungraumes sichtbar, an der sich die gesamte Tiefendimension des eingegrabenen Körpers ablesen läßt, der von unten in die Eingangshalle zu drängen scheint und dabei einen Spalt aufreißt.
Dieser Spalt bildet das "leere" Zentrum des Meteorit, denn in diesem Bereich treffen die drei Baukörper aufeinander, ohne sich unmittelbar zu tangieren. Hier zeigt sich das polarisierende Prinzip der Architektur in seiner konzentriertesten Form: gerade weil sich die Elemente wie in einem Kondensator knapp nicht berühren, wird ihre ganze konfrontative Kraftspürbar und potenziert.Die Leerstelle funktioniert wie ein Meßinstrument, das die Hochspannung anzeigt, die von kühlen, industriellen Materialien geleitet zwischen deneinzelnen Sektoren zu fließen scheint.

Die Eingangshalle übernimmt dabei die Rolle eines Adapters: als gläserne Klammer zwischen den beiden antipodischen Baukörpern verzichtet sie auf deutliche Akzente und gerät dabei trotzdem in Opposition: ihre "schwache" Geometrie steht in scharfem Kontrast zurstarken Form des schwebenden Cafés und ihre transparenten Flächen lassendas Licht ungehindert auf den Panzer der fensterlosen Monade fallen, die die Kunst und Medien-Installationen enthält.
Der Gang in die mediale Unterwelt führt über einen Steg, der sich im Inneren als dreidimensionales Koordinatensystem von Wegen, Brücken und Podesten fortsetzt und den Raum der Ausstellung erschließt.
Dieser inhaltliche Zentralraum hat keine klar definierte Form sondern wird aus Staffelungen von Raumteilern und Akustikwänden mit unterschiedlichsten Geometrien gebildet, die ihn wie eine dunkle, variabel organisierte Hülle umgeben.

Der Ausstellungsraum ist eine fast unsichtbare "black-box": er besteht konstruktiv aus einem schwarzen Betonquader, dessen Dimensionen durch die Hülle verdeckt und verschleiert wird. Die Form der Hülle wird hingegen an einigen Stellen ausdrücklich gemacht, beipielsweise dort, wo ihre Außenseiten wie eine abstrakte Skulpturexponiert werden. Innerhalb der Hülle sind große dreidimensionale Volumina aus einfachengeometrischen Grundformen in leuchtenden Farben positioniert, die alsbegehbare Raumkörper die multimedialen Installationen enthalten und Phänomene wie Licht, Schatten, Töne und Bilder in ihren verschiedensten Mutationen präsentieren.

Die Architektur gestaltet damit sowohl die äußere Form der zentralen Austellungsobjekte, als auch den Raum in dem sie präsentiert werden sowiedie Perspektiven zu ihrer Wahrnehmung. Diese ungewöhnliche Aufgabe wird wieder über ein raffiniertes Spiel der Differenzen gelöst, mit dem es gelingt, das an sich statische Ausstellungskonzept zu dynamisieren und dabei immer Raum für die Erfahrung von Architektur zu schaffen.

propeller z entwickeln Architektur, die analytisch mit konzeptuellen funktionalen und topographischen Vorgaben umgeht und ihre Intensität aus Oppositionen gewinnt. Insofern stellt der Meteorit mit seinem synthetischen und synästhetischen Konzept, das tendeziell auch die Architektur zum Teil eines multimedialen Erlebnisgenerators macht, für propeller z die stärkste und willkommenste Herausforderung dar, um mit den präzisen Mitteln ihrer Architektur Differenzen zu markieren, die umso deutlicher ihre Autonomie beweisen. (aus DOMUS #812 Feb 1999 Text: Christian Muhr)