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Weingut Gernot und Heike Heinrich (Gols/A, 2006-2008)

 
       
       
       
       
   
 
Im Grunde steckt in jedem qualitätsvollen Wein eine dementsprechende Haltung des Winzers. Eine Agrarphilosophie, getragen durch die richtige Wahl der Reb-stöcke und deren Erziehung und Pflege, der Betreuung des Terrains im Weingarten bzw. der wachsenden Beeren, bis hin zum Marketing und Erscheinungsbild; um nur ein paar Aspekte anzuführen.

Die Weine von Gernot und Heike Heinrich besitzen weltweit einen außerordentlich guten Ruf. Einen Ruf, der durch die Aufgeschlossenheit der Heinrichs gegenüber Neuem, das umtriebige Experimentieren im Weingarten oder auch im Keller gerechtfertigt ist und so einzigartige Weine entstehen lässt. Gerade diese affirmative Haltung möchte auch nach Außen gezeigt werden. Und hierzu bietet sich ein Wirtschaftsgebäude gerade zu exzellent an, um diese grundlegende Philosophie zu manifestieren.
Waren es noch zur Jahrtausendwende unter 20 Hektar, bewirtschaftet der Familienbetrieb heute ca. 80 Hektar Weingärten rund um den nördlichen Teil des Neusiedlersees. Diese enorme Steigerung der Anbaufläche zieht auch zwangsläufig eine Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes mit sich. Benötigt doch das landwirtschaftliche Gerät auch seine Pflege und einen dementsprechenden Unterstand.

Während der ersten Planungsgespräche im Frühjahr 2006 wurde Gernot Heinrich bewusst, dass er mit dem ursprünglichen Keller in Zukunft kein Auslangen mehr finden würde. Und so galt es zur Remise auch gleich zwei weitere Kellergeschosse bzw. ein vergrößertes Flaschenlager und ein obligates Mannschaftsgebäude in das Raumkonzept mit einzubeziehen.Eine in Holz konstruierte leichte Schale spannt sich fast 90 mal 34 Meter frei über die Remise und den Solitär des Flaschenlagers, und schützt so diesen und seinen wertvollen Inhalt (die Weine der letzten Jahrgänge) vor unerwünschtem Wärmeeintrag. Unter dem solitären Würfel aus Fertigbetonplatten befinden sich zwei Erweiterungen der Barrique Kellerräume, die ihrerseits in beiden Ebenen direkt mit dem Altbestand (dem Presshaus) verbunden sind.

Von Westen kommend wirkt der Zubau wie hermetisch abgeriegelt. Jedoch öffnet sich die schwarze Schale mit den weißen handtellergroßen Soghaltern nach Nord-Ost durch einen weit auskragenden Dachüberstand. Unter diesem befindet sich der Übergang zwischen dem Zubau und dem Bestandsgebäude, aber auch der während der Erntezeit so wichtige wettergeschützte Manipulationsbereich.

Heinrichs Anspruch an die biodynamische Landwirtschaft sollte sich auch im Aufbau des Gebäudes finden lassen. Neben der effizienten Nutzung im agrarökonomischen Gebrauch durch den Bauherren, als auch im laufenden  Betrieb des Gebäudes war ein einfacher, trennbarer und recyclingfähiger Aufbau der Hallenkonstruktion ein zu erreichendes Ziel:
das Vermeiden von komplizierten Detaillösungen, einfache Bauweise, simple Materialwahl reduziert den Verbrauch von grauer Energie in der Herstellung und Entsorgung des Zubaus in der nahen Zukunft, ohne dem Gebäude einen vordergründig „ökologischen“ Anstrich zu verpassen.