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AK Dazzle-Park (Wien/A, 2010)

 
       
       
       
 
 
Die schlechte Nachricht: für das 1988 errichtete Adolf Czettel Bildungszentrum besteht keine Hoffnung.
Dies begründet sich zum Teil aus seiner Entstehungsgeschichte: am Bauplatz an der Kreuzung  der Argentinierstrasse mit der Theresianumgasse stand bis nach Ende des zweiten Weltkrieges das Palais von Nathaniel Rothschild, im
19. Jahrhundert als Privatresidenz erbaut, wurde es von den Nationalsozialisten enteignet und als Sitz der SS, SD und als Büro der Gestapo missbraucht.
Abgerissen wurde das Palais nach Ende des Krieges: allerdings nicht etwa aufgrund von irreparablen Bombenschäden, sondern weil die Arbeiterkammer als neuer Besitzer offenbar in dem prunkhaften Gebäude ein Symbol erkannte, das der ideologischen Marschrichtung nach dem Krieg entgegenstand.

Die schlichte Funktionalität des von Roland Rainer errichteten Lehrlingsheims dürfte die Stimmung in der Arbeiterkammer in den 50er Jahren des 20 Jahr-
hunderts gut getroffen haben; nicht einmal 30 Jahre später war aber auch sie offenbar nicht mehr am Puls der Zeit.
Das Heim wurde 1982 abgerissen und wenige Jahre später durch den nunmehr bestehenden Bau ersetzt. Dieser schaffte es, die wahrscheinlich schlechtesten Eigenschaften seiner Vorgänger zu vereinen: simple Kubatur mit verschwenderischer Erschließung, energiefressende Bauweise mit protzigen Zitaten vergangener Epochen - Führerbalkon inklusive.

Dem Bildungszentrum der Arbeiterkammer kann die beste Fassade nicht helfen - schon gar nicht, wenn sie unter Verzicht auf eine umfassende, zumindest thermische Sanierung, lediglich die „Schauseite“ behandelt - und somit mühelos als das erkannt wird, was sie nur sein kann: ein Feigenblatt.

Die gute Nachricht:  es gibt ein riesiges Potential - nicht das Bauwerk selbst stellt es dar - auch nicht die weiteren Gebäude, die den städtischen Block zwischen Argentinierstrasse und Schmöllerlgasse säumen und gegen deren nichts sagende Silhouetten das Bildungszentrum beinahe spannend wirkt.
Das bislang ungenügend genutzte Potential stellt der Block selbst dar: die Aussicht auf einen offenen urbanen Raum, auf etwas Lebendigkeit und Erholung in einem Bezirk, der reich an privaten Grünflächen ist, der diese aber mit hohen Mauern umgibt und sie damit zu abweisenden Barrieren im städtischen Raum macht. Der Schwarzenberggarten und das Belvedere ist hier ebenso zu erwähnen wie, in besonderem Maß, der öffentlich nicht zugängliche Garten des Theresianum.

Der Anton-Benya-Park ist zwar der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten zugänglich, einladend ist er allerdings nicht.
Wir schlagen vor, ihn zu einem rund um die Uhr zugänglichen, integralen Bestandteil des Stadtraums zu machen.
Dazu ist es notwendig, die strikte Kontrolle über diesen Raum aufzugeben. Die Zugangsmöglichkeiten werden erweitert, Barrieren weitgehend ausgeräumt. An der Theresianumgasse wird der Verbindungsgang zwischen Akzenttheater und Bildungszentrum abgebrochen und dar Vorplatz physisch mit dem Park verbunden und damit erweitert. Über Rampen und Treppen können Zugänge von der Schmöllerlgasse geschaffen werden. Die Argentinierstrasse, als einzige direkte Achse zwischen dem neuen Hauptbahnhof und die Inneren Stadt wird in Form eines SHARED SPACE auf ihrerganzen Länge eingebunden. Der Park selbst wird bereichert, seine Oberflächen überarbeitet: ein Kiosk (warum muss man am Kinderspielplatz lauwarmes Wasser aus einer mitgebrachten Flasche trinken?) eine Bar, ein Lokal (warum lässt man Theaterbesucher an den Naschmarkt ziehen?) Wasser, Kunst (warum soll nicht jeder über die Trittsteine von Matti Braun laufen können?), eine diagonale Achse um die Verbindung von Karlskirche und oberem Belvedere zu stärken, Bambus anstelle von Bodendeckern, Wiese statt Waschbeton...

Ein lebendiger urbaner Raum sollte die Kraft haben, der Arbeiterkammer (und die Stadt) über die Teilnahmslosigkeit der angrenzenden Bauwerke hinwegzuhelfen...

Verstecken kann man die Gebäude nicht: andererseits könnte sich eine gegenteilige Strategie zunutze machen.
Dazzle, etwa mit „blenden“ oder „verblüffen“ übersetzt, ist eine Strategie der Täuschung. Sie ist aus der Tierwelt abgeleitet: Zebras machen es durch ihre scharf kontrastierenden Streifen dem Angreifer unmöglich, einzelne Tiere visuell von der Herde zu isolieren. Unter der Führung des britischen Malers Norman Wilkinson und des Vortizisten Edward Wadsworth ist das Lackieren von Frachtschiffen in geometrischen Mustern, die das Einschätzen der Entfernung und Fahrtrichtung erschweren sollten, zu einer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft eingesetzten Verteidigungsstrategie geworden. Ob „Dazzle Camouflage“ jemals tatsächliche Rettung bedeutete ist nicht erwiesen. Aber es war kostengünstig und für die Besatzung »definitely a moralebooster«.

Was will man mehr?